No Adobexit: Warum ich bei Lightroom bleibe

Vor knapp 1 ½ Jahren sorgte die Nachricht, Lightroom werde nicht mehr als Kaufversion, sondern nur noch im Abo angeboten, für einigen Trubel (siehe: Das Lightroom-Beben und Should I stay or should I go). Für mich damals ein rotes Tuch, denn ich wollte nicht dauerhaft dafür zahlen müssen, um auf meine Arbeit zugreifen zu können.

An diesem Argument hat sich nichts geändert. Ich muss Photoshop abonnieren, um meine .PSD-Dateien zu öffnen, ich muss für InDesign zahlen, um auf meine .indd-Dokumente zugreifen zu können. Ganz schlecht. Aus diesem Grund hatte ich einen groß angelegten Vergleich der möglichen Konkurrenzprodukte gestartet. Dabei musste ich allerdings feststellen, dass die wenigsten Apps den vollen Umfang der Adobe-Software bieten. Luminar hat inzwischen nachgezogen und bietet eine Katalogverwaltung – diese ist aber noch zu rudimentär. Die Bildqualität aus den RAW-Engines liess teilweise ebenfalls Auf nach oben.

Da mein klassisches, gekauftes Lightroom 6 seit dem letzten Mac OS Update ständig abstürzte, war ich nun zum Handeln gezwungen. Entgegen meiner damaligen Beurteilung habe ich mir deshalb On1 Photo Raw in der Version 2019 angesehen. Der Funktionsumfang dieser Software ist gigantisch – neben den von Lightroom bekannten Features bietet die App Ebenen, Fokus-Stacking und andere Leckereien. Und: Es ist die einzige Software, die ein Migrationstool bietet und mittels künstlicher Intelligenz die in Lightroom vorgenommenen Bildanpassungen auf die in On1 zur Verfügung stehenden Werkzeuge „übersetzt“. Der Hersteller verspricht, dadurch den Look der Fotos übertragen zu können. Ein wichtiges Argument, wenn man nicht sämtliche Arbeit aus vielen Jahren verlieren möchte. Ich habe mir also die Mühe gemacht und über einen Zeitraum von gut 1 ½ Tagen den Migrationsprozess meiner gut 42.000 Bilder begleitet, ehe ich mich dann mit On1 anfreunden wollte.

Nur: Es hat nicht funktioniert. Das anfreunden. Die nicht-destruktiven Einstellungen, die ich in On1 vorfand, sahen meinen Bildbearbeitungen aus Lightroom nur vage ähnlich. Das Programm liegt nur in englisch vor. Es ist langsam (gut, das ist Lightroom auch). Es fühlt sich einfach nicht richtig an, mit On1 zu arbeiten. Die Qualität der RAW-Entwicklung schien mir zwar besser als noch bei der Vorgänger-Version (diese Bilder sahen aus, als bestünden sie aus Fraktalen, nicht aus Pixeln. Solche Ergebnisse habe ich zuletzt vor 10 Jahren mit der Vektorisierungsfunktion von Illustrator gesehen), aber kommt bei weitem nicht an die Ergebnisse aus Lightroom heran. Letztlich: Die App kostet knapp € 100 – also auch nicht soviel weniger als Lightroom im Jahresabo. Im kommenden Jahr gibts wieder ein Update, das dann erneut Geld kostet. Man spart also im Endeffekt nicht so viel.

Mein Fazit deshalb: Ich bleibe vorerst bei Lightroom und habe es jetzt abonniert. Die mehr oder weniger nahtlose Art des Weiterarbeitens, die jahrelange Einübung bestimmter Arbeitsweisen, das Benutzen meiner eigenen Presets und Exportvorgaben – all das ist letztlich viel wert. Und: Alle meine Fotos stehen mir ohne Einschränkung mit allen Bearbeitungen der letzten Jahre zur Verfügung. So lange ich bezahle 😉